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Test: Alter Ego
Können die Black Mirror-Macher an den einstigen Erfolg anknüpfen?
2004 landete Future Games mit dem Horror-Adventure Black Mirror einen Hit. Die in den folgenden Jahren veröffentlichten Adventures Nibiru und Reprobates lagen bei Freunden des virtuellen Denksports hingegen weitaus niedriger in der Gunst. Kann das neueste Adventure der tschechischen Entwickler, Alter Ego, an vergangene Erfolge anknüpfen oder war Black Mirror eine Ausnahme?Die weiße BestiePlymouth, 1894. Der Ire Timothy Moor ist ein Straßendieb, der planlos in den Tag hinein lebt. Als er als blinder Passagier auf einem Schiff entdeckt wird, kann sich der Taugenichts gerade noch in letzter Sekunde befreien und vor der Polizei fliehen. Auf den ersten Blick ist Detective Briscol ein völlig anderer Mensch. Er ist ein anständiger Polizist, der gerade vom Land nach Plymouth versetzt worden ist und an seiner verheißungsvollen Karriere arbeitet. Doch zwei Dinge haben die vermeintlich so gegensätzlichen Charaktere gemeinsam. Beide haben eine Abneigung gegenüber ihren Mitmenschen und benutzen sie zu ihrem persönlichen Vorteil. Zudem führt das Schicksal die beiden Hauptprotagonisten während der Vorkommnisse um die sogenannte weiße Bestie - den vermeintlich toten Adligen Sir William Lewis der zahlreiche Menschen ermordet haben soll - zusammen.Der Dieb und der PolizistIn Alter Ego übernehmen wir sowohl die Kontrolle über Timothy Moor als auch über Detective Briscol. Dabei werden zunächst zwei scheinbar voneinander unterschiedliche Handlungsstränge erzählt. Abwechselnd schlüpfen wir in die Rolle des Diebs oder des Polizisten. Unser Alter Ego steuern wir ganz klassisch per Point&Click. Bei interessanten Objekten verfärbt sich der Cursor rot. Mit der rechten Maustaste können wir nun eine - meistens unbrauchbare - Beschreibung des Gegenstands bekommen. Mit dem linken Mausklick wird das entsprechende Objekt manipuliert oder eingesackt. Mit F1 lassen sich alle Hotspots einer Szene anzeigen. Da meist nur wenige Schauplätze begehbar und nur einige wenige Hotspots vorhanden sind, schränkt dies die Möglichkeiten ziemlich ein, so dass der Schwierigkeitsgrad insgesamt niedrig angesiedelt ist.Schwaches RätseldesignOftmals reicht es, die Gegenstände aus unserem Inventar auf die wenigen Hotspots zu ziehen und untereinander zu kombinieren, um schnell voranzukommen. Doch auch wer die Aktivierung der grauen Zellen dem Trial & Error-Prinzip vorzieht, wird sich nicht lange an einer Denksportaufgabe aus Alter Ego aufhalten. Zumeist führt der direkte Weg zur Lösung. Wir haben einen Gegenstand gefunden? Dann wenden wir ihn doch gleich in derselben Szene auf unser Problem an. Und weiter geht’s! Hindernisse in Form von Rätselketten gibt es keine. Wenn wir doch einmal hängen bleiben, dann liegt dies vielmehr am mäßigen Gameplay. Beispielsweise grübeln wir über die Tatsache, dass wir zwar zwei Fußabdrücke und trockenes Gipspulver, aber keine Wasserquelle haben. Während unserer Nachforschungen treffen wir auf Pfützen, Springbrunnen und andere Behälter mit dem Objekt der Begierde. Erst im späteren Spielverlauf - warum, das wissen nur die Entwickler - ist es aber möglich, endlich kombinierbares Wasser für unseren Gips zu finden. Das schwache Rätseldesign ließe sich noch an weiteren Beispielen aufzeigen. Von einem Black Mirror ist Alter Ego meilenweit entfernt! Spätestens wenn wir einem niedergeschlagenen Dienstmädchen ein Hufeisen schenken, um seine Gunst zu erlangen, dreht sich Samuel Gordon in seinem virtuellen Grab um.Überzeugen können hingegen die authentisch wirkenden Charaktere sowie größtenteils die düstere Story. Die motivierende Geschichte, die ab der zweiten Hälfte richtig spannend wird, enttäuscht am Ende jedoch sowohl in Bezug auf die Auflösung als auch Erzählstruktur. Als wäre das nicht schon schlimm genug, wirft uns das Spiel ohne Abspann sofort ins Hauptmenü. Maue TechnikAtmosphärisch und in Bezug auf den Grafikstil erinnern zahlreiche Schauplätze an Black Mirror - nicht zuletzt aufgrund des englischen Schauplatzes. Allerdings wirken die Szenen teilweise wie Stillleben, da es kaum Animationen gibt. Zwar hören wir z.B. deutlich einen Windstoß aus den Lautsprechern, auf dem Bildschirm regt sich aber kein einziges Blatt. Zwiespältig ist die grafische Präsentation der Charaktere. Einige Animationen sind wirklich gelungen und sehen lebensecht aus. Doch fehlerhafte und teils fehlende Lippenbewegungen sowie ein sehr begrenztes Repertoire an Mimiken sind der Atmosphäre abträglich. Zudem scheinen die beiden Hauptprotagonisten beim Umgang mit Objekten Jedis und Pantomimekünstler in einer Person zu sein.Der Soundtrack sowie die Synchronisation können hingegen überwiegend überzeugen. Allerdings fallen hin und wieder Akustikfehler auf. Zudem müssen sich Abenteurer mit etlichen anderen Fehlern - von einem Ladebug bei Spielständen, überflüssigen Hotspots, falschen Kommentaren bis zu Fehlern in den Untertiteln - herumärgern. |
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