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Test: Medal of Honor
Soll man weiter dem Call of Duty folgen oder wird es endlich Zeit für die Ehrenmedaille?
Seit dem überwältigenden Erfolg der beiden Call of Duty – Modern Warfare -Titel versuchten bereits einige Trittbrettfahrer am Thron der altehrwürdigen Shooterserie zu sägen. Nur vom einstigen großen Konkurrenten Medal of Honor, der mit dem letzten Teil Airborne nach wie vor auf das WWII-Szenario setzte, hörte man lange Zeit nichts mehr. Bis jetzt.Drittes Reich ade – Hallo Gegenwart!Die Medal of Honor-Reihe war stets im 2.Weltkrieg angesiedelt. Darauf konnte man sich verlassen. Aber angesichts des Erfolgs der Modern Warfare-Spiele wagte man ebenfalls den Sprung in die Moderne und suchte sich auch gleich den aktuellsten Konflikt aus, den das Zeitgeschehen zu bieten hat: den Antiterrorkrieg in Afghanistan. Man mag ein Spiel zu einem aktuellen Konflikt geschmacklos finden oder nicht. Hier soll es nur um die Frage gehen, ob das Spiel Spaß macht – abseits aller moralischen Bedenken. Also, soll man weiter dem Call of Duty folgen oder wird es Zeit für die Ehrenmedaille?Medal of Honor (im Folgenden kurz MoH) ist ein stark gescripteter, streng linearer Egoshooter, dessen Story man selbst mit allen zugedrückten Hühneraugen nur als belanglos bezeichnen kann. Es geht im Grunde darum, dass man an zwei aufeinanderfolgenden Tagen abwechselnd verschiedene Soldaten in unterschiedlichen Spezialeinheiten spielt, die ein von Taliban besetztes Tal erobern sollen, weil es ein sturer Schreibtischgeneral in ein paar tausend Kilometern Entfernung so befohlen hat. Mehr Substanz bietet die dünne Story leider nicht, folgt damit aber auch nur der altbekannten Serientradition. Lediglich am Ende des Spiels kommt dann nochmal sowas wie Dramatik in die Geschichte. Aber selbst wenn man sie mit der Story von Modern Warfare 2 vergleicht, war letztere trotz der großen Logiklöcher deutlich spannender erzählt.GunplayDie lahme Story macht MoH jedoch durch eine gelungene Inszenierung wett. Die Entwickler haben sich offenbar die Gameplaymechanismen von Modern Warfare 1/2 sehr genau angeschaut und versucht, diese weitestgehend zu kopieren. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Ein Beispiel sind die aus CoD bestens bekannten Zeitlupensequenzen, wenn ein Raum mit Geiseln gestürmt wird.Dabei fängt das Spiel recht gemächlich an: In einer Nacht- und Nebelaktion besteht die erste Mission darin, in einer afghanischen Kleinstadt einen Informanten zu treffen, der Infos zu nahegelegenen Stellungen der Taliban hat. Aber es kommt natürlich wieder alles anders als geplant. Der aus zwei Kleintransportern bestehende Konvoi gerät in einen Hinterhalt und wird plötzlich von allen Seiten beschossen. Der Spieler und die drei anderen Mitstreiter entkommen nur knapp dem Anschlag und müssen sich nun zu Fuß zum Treffpunkt durchschlagen. An jeder Ecke tauchen plötzlich Feinde auf die uns unter Feuer nehmen. Da sich die Gegner aber nicht sonderlich intelligent verhalten und unsere eigene Spielfigur auch einige Treffer aushält und sich in Ruhephasen regeneriert, haben wir keine Probleme uns die penetranten Turbanträger vom Hals zu halten. MoH ist ganz offensichtlich kein allzu schweres Spiel, auch wenn nicht frei gespeichert werden darf und die Speicherpunkte teilweise ziemlich weit auseinanderliegen. Aber auch am Treffpunkt wartet wieder eine böse Überraschung: Der Informant ist natürlich nicht da. Stattdessen entgehen wir nur knapp einer fiesen Sprengfalle, die an einer Leiche angebracht ist. Gerade wieder aufgerappelt, erfahren wir über Funk von einem Teamkollegen, wohin die Taliban mit dem gekidnappten Informanten unterwegs sind. Wir nehmen die Verfolgung auf und holen die Fieslinge, die sich in einer alten Festung verschanzt haben, schließlich ein. Wir treten die Tür ein und schießen in einer Zeitlupensequenz die Terroristen aus den Sandalen. Der Informant, immer noch mit einem Sack über dem Kopf, wird in einen nahegelegenen Wagen verfrachtet und damit die Flucht aus der heiß umkämpften Stadt angetreten. Die erste Mission wäre geschafft. In den folgenden Spielstunden erobern wir ein Flugfeld und markieren mit einem Laser Ziele für die Artillerie, fahren des Nachts mit Quadbikes (die einzigen steuerbaren Fahrzeuge übrigens) durch die Pampa oder bedienen an Bord eines Apache Kampfhubschraubers das Bordgeschütz und legen ein Talibandorf in Schutt und Asche. Letzteres erinnert allerdings eher an ein Moorhuhn deluxe, bringt aber immerhin zusätzliche Abwechslung ins Spiel. Allen Missionen ist stets gemein, dass man auf eng angelegten Pfaden durch die Einsätze geführt wird. Man kann zwar oft kilometerweit in die Landschaft kucken, aber unsichtbare Wände verhindern strikt das Verlassen der Levelschläuche. |
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| PC | Oktober 2010 | |
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