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Test: Real Warfare 1242
Russlands Mittelalter als Total War-Schlachtenklon
Was war eigentlich in Osteuropa, als in unseren Landen noch das Heilige Römische Reich deutscher Nation regierte? Gab es überhaupt schon ein Russland? Meist beschränkt sich das geschichtliche Hintergrundwissen über dieses riesige Land auf die Sowjetunion und die Zeit der Zaren. Die Entwickler von Unicorn wollten das wohl ändern und uns mit dem Echtzeitstrategiespiel Real Warfare 1242 weiterbilden.Bedroht von allen SeitenAuch für Russland war das Mittelalter eine stürmische Zeit. Anfang des 13. Jahrhunderts zersplitterte das Reich, was bei Weitem noch nicht die Ausdehnung von heute hatte, in verschiedene Fürstentümer. Zudem stand es verschiedensten Bedrohungen gegenüber. Im Westen stand Litauen und der Deutschritterorden, im Norden Schweden und weiter im Osten hatte die Goldene Horde der Mongolen ein Auge auf Russland geworfen.Im Spiel übernimmt der Spieler die Rolle des russischen Nationalhelden Alexander Newski. Er verteidigte Russland so weit es ging, konnte sich den Mongolen aber nicht widersetzen, kollaborierte mit ihnen und wurde von ihnen sogar zum Großfürsten ernannt, nachdem er gegen seinen Bruder intrigierte und die Politik der Mongolen teils grausam durchsetzte. Im Endeffekt half er den Mongolen sogar, deren zwei Jahrhunderte lange Herrschaft über Russland zu festigen. Im Spiel bginnt die Geschichte im titelgebenden Jahr 1242. In acht recht abwechslungsreichen und „historischen“ Schlachten gilt es, das russische Territorium zu verteidigen. Vom Sieg über die einfallenden Deutschritter auf dem Peipussee über die erfolgreiche Verteidigung gegen die Mongolen, die Schlacht gegen die Schweden an der Neva, bis hin zur fiktiven Sieg über die Mongolen. Die wenigen Gefechte der Kampagne und der kurzen Einführung haben es in sich. Meist in Unterzahl und mit unterbelichteten Truppen muss man sich per Trial-and-Error durch diese meist stark geskripteten „Rätsel“ schlagen. Hat man es hier geschafft, gibt es noch einen Bereich für benutzerdefinierte Gefechte. Aber auch online darf man sich im Kampf zumindest zu zweit messen. Ein Kartengenerator sorgt zumindest hier für etwas Abwechslung. Halbes Total WarWas die Schlachten angeht, ist RW1242 sehr stark an den taktischen Teil von Medieval: Total War 2 angelehnt - man könnte es auch einen Klon nennen. Die Versuche, die einzelnen Szenarien zu einer Kampagne zu verknüpfen erinnern wiederum an die Great Battles -Serie: Ein paar historische Informationen, etwas Geld verdienen und Kaufen bzw. Aufrüsten von Einheiten, von denen es eine ordentliche Anzahl gibt.Die Truppen werden genauso aufgestellt und befehligt wie im Total War Ableger. Selbst die Breite der Formation und die Vorschau der geplanten Aufstellung mit der Leertaste wird auf genau die gleiche Art und Weise genutzt. Es gibt Moral, Müdigkeit und Munition für Bogen- und Armbrustschützen. Vorteil ist hier allerdings, dass man für große Armeeformationen verschiedenen Vorlagen nutzen kann, was im Original nicht geht. Auch bei der Kamera hat man gut abgekupfert. Mit der Maus wird an den Seiten der oberen Monitorhälfte gedreht und an der unteren gescrollt. Weniger übersichtlich ist die Oberfläche. Viele Statuswerte einer Einheit werden in einer kleinen Tabelle angezeigt, wenn man mit dem Cursor auf sie zeigt. Das hilft nicht gerade der Übersicht. In Sachen Schwierigkeit bietet RW1242 zwei Modi. Im einfachen Modus hat man auch gegen überlegene Feinde eine gute Chance, während man im normalen Modus gut taktieren muss, um überhaupt eine Siegchance wahren zu können. Hat man die falschen Einheiten im Gepäck, hat man schon vor der Schlacht verloren. Abseits der geskripteten Kampagnen-Missionen ist die Gegner-KI aber nicht mehr so toll. Sinnlose Frontalangriffe, Einheiten werden nicht herangezogen oder lassen sich Stück für Stück ausschalten. All zu leicht macht es einem die eigene Einheiten-KI dabei aber nicht. Oft schaffen sie es in beengten Gebieten nicht zu ihrem Zielpunkt und bleiben einfach stehen, lösen sich nicht vom Feind, greifen unvermittelt an, bilden riesige Klumpen von Soldaten, die sich irgendwie über die Karte bewegen usw.. BlumigGenau wie Sergej Eisensteins filmisches Meisterwerk zum „Helden“ Alexander Newski, zeigt sich auch Real Warfare als vernebeltes Heldenepos. Und das wird sogar mit dem entsprechenden Bloom-Effekt bis zum Märchenwelt-Overkill ausgereizt. Bloß gut, denn dann sehen die kaum animierten Klonkrieger nicht ganz so schlecht aus. Die Landschaften sind deutlich hübscher anzusehen, aber kaum lebendiger. Auch die wenigen Effekte leisten ihren Beitrag zum lahmen Gesamtbild. Ein wenig Staub hier und ein paar zu langsame Pfeile da und das war es. Die Performance ist dabei schlechter als erwartet.Akustisch sieht es ähnlich aus. Die Musik ist im Grunde nicht schlecht, passt zum Zeitalter und der Region, ist allerdings irgendwann sehr nervig, gerade wenn durch sie der Sprecher und die Einheitensounds übertönt werden. Die deutsche Synchronisation ist davon ab sehr gut gelungen. |
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