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Test: Gemini Rue
Eine düstere Zukunftsvision im pixeligen Retro-Look
Das Independent Projekt Gemini Rue wurde mit Auszeichnungen und viel Zuspruch aus den Fachmedien bedacht. Dies ist nicht zuletzt dem bewusst auf Retro getrimmten Stil des düsteren SF-Adventures geschuldet. Nun haben sich Daedalic, die mit Tales of Monkey Island bereits einen guten Lokalisierungsjob abgeliefert haben, daran gemacht, das Game hierzulande komplett in deutscher Sprache auf den Markt zu bringen.Zwei HandlungssträngeDas Spiel ist in der fernen Zukunft, im sogenannten Gemini System angesiedelt und spielt sich im Wesentlichen an zwei Orten ab. Zum einen ist das ein Bezirk der Stand Pittsburg auf dem Planeten Barracus, der wie fast alles in Gemini von einer Mafiaorganisation, den Boryokudan kontrolliert wird. Zum anderen ist da noch eine Forschungseinrichtung namens Center-7, in der Menschen per Gehirnwäsche rekonditioniert werden.Auf Barracus spielt man den ehemaligen Auftragskiller Azriel Odin, der offenbar die Seiten gewechselt hat und nun auf der Suche nach seinem Bruder ist, der vermutlich zum geheimen Center-7 verschleppt wurde. Parallel zu dieser Handlung spielt man einen der dortigen "Patienten" mit der Kennung Delta-6, der zwar keine Erinnerung an seine Vergangenheit hat, aber offenbar zum wiederholten Male versucht auszubrechen. Es gibt auch noch eine dritte Figur, die man im Verlauf spielen kann und einige, die man per Interaktion indirekt steuert, was allerdings nur einen geringen Anteil darstellt. Beide Handlungen laufen getrennt voneinander, in einer Passage des Spiels kann man jedoch frei zwischen beiden Protagonisten wechseln. Erst relativ am Ende wird aufgelöst, was den bärbeißigen Azriel Odin und den orientierungslosen und undurchsichtigen Delta-6 miteinander verbindet. Bedingt interaktivZur Steuerung benötigt man Maus und Tastatur. Interaktionen lassen sich durch ein Kontextmenü ausführen, das obendrein auch noch das Inventar enthält. Dabei kann man immer zwischen Interaktion per Auge, Hand, Mund, oder Fuß wählen. Per Doppelklick wird der zuletzt ausgewählte Aktionstyp erneut angewendet. Die Tastatur wird für einige wenige Passagen benötigt, in denen man Kisten verschieben muss, oder in Action Sequenzen, bei denen man sich Feuergefechte aus einer Deckung liefert. Letzteres ist zwar eine interessante Abwechslung, für Adventurepuristen jedoch eher lästig. Ein weiterer lästiger Schwachpunkt der Steuerung ist das Verlassen von einzelnen Bildern, bei denen man auf das letzte Randpixel klicken muss, obwohl schon vorher der Ausgang angezeigt wird.Rätselhilfe und Hotspotsystem gibt es in einem Retrogame natürlich nicht. Lediglich ein Kommunikator, mit Notizen, die automatisch erzeugt werden, gibt eine gewisse Hilfestellung. Neben den typischen Gegenstand-Kombinationsrätseln gibt es auch den einen oder anderen Dialogbaum abzufrühstücken und Abschnitte, in denen man Recherche per Terminaldatenbank durchführen muss. Dabei lassen sich Suchbegriffe frei eingeben, oder aber aus Notizen oder zuvor angezeigten Akten direkt in die Eingabemaske ziehen. Des weiteren gibt es einige Abschnitte, die unter Zeitdruck zu lösen sind. An wichtigen Punkten und speziell vor Situationen, die mit dem Ableben des Protagonisten enden können, wird ein automatischer Speicherpunkt erstellt. Ein manuelles Speichern ist jedoch auch jederzeit möglich. Einige Rätsel lassen sich auf unterschiedlichen Wegen lösen. Leider hilft oft nur stupides Ausprobieren oder man kommt nicht weiter, weil man zu einem anderen wichtigen Handlungsabschnitt noch gar keinen Zugang gefunden hat. An vielen Stellen hat man auch nur derart beschränkte Interaktionsmöglichkeiten, dass man sich wie in einer Zwischensequenz gefangen fühlt, was dem Spielspaß nicht wirklich zugute kommt. Düsteres SettingAtmosphärisch kann Gemini Rue durchaus punkten. Die niedrig aufgelösten, handverpixelten Hintergründe und Figuren, sowie das düstere Szenario erinnern stark am Klassiker wie z.B. Blade Runner. Gerade mit dem bzw. mit dessen Filmvorlage lässt sich auch der stimmungsvolle Soundtrack vergleichen, der vornehmlich mit sphärischen Klängen aufwartet.Die Pixelgrafik ist natürlich Geschmacksache, und nach heutigen Maßstäben hoffungslos überaltert. Die farbreduzierte Darstellung ist letztlich ebenso Stilmittel und passt sehr gut zur finsteren Grundstimmung des Spiels. Sprache und Lokalisierung sind eine zweischneidige Sache. Würde ich hier nur die mit ausgelieferte Originalvertonung berücksichtigen, gäbe es kaum etwas zu meckern. Leider verhält sich das bei der deutschen Fassung nicht ganz so. Es wurden zwar alle geschriebenen Texte und zum Teil sogar Texte in Bildern passend übersetzt, aber einige Sonderzeichen wie Umlaute werden nicht korrekt dargestellt. Die Synchronisierung muss sich von den Stimmen und der Sprachqualität her nicht hinter dem Original verstecken, jedoch wurden einige Texte gar nicht vertont, teilweise Passagen aus dem Kontext gerissen übersetzt und manchmal hört man doch noch einzelne Kommentare im O-Ton. |
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