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Test: Anno 2070
Futuristischer Aufbauspaß mit Tradition
Mit einer Bombenüberraschung wartete Related Designs bei der Bekanntgabe des Nachfolgers von Anno 1404 auf: Weit in der Zukunft soll er spielen! Fans waren skeptisch, allerortens wurde Zeter und Mordio geschrieen! Ein Anno weit weg vom Mittelalter war für viele nicht vorstellbar, der Niedergang der Serie wurde gar heraufbeschworen. Alles Pustekuchen! Anno 2070 bleibt ein Knaller.Fraktionen und ÖkobilanzWer schon mal mit einem Teil der Anno Serie in Kontakt kam, kann nach wenigen Minuten durchatmen: Das Spielgefühl wurde bestens konserviert und in die Zukunft übertragen. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass man in den ersten Spielstunden den Eindruck gewinnt, einen Grafikmod vor sich zu haben, so identisch spielt es sich gegenüber dem Vorgänger.Augenscheinlichste Neuerung ist die Einführung zweier Fraktionen: Zwischen Tycoons und Ecos gilt es sich bei Spielbeginn zu entscheiden. Die Tycoons sind eine Gesellschaft die Produktion und Industrialisierung als oberstes Gebot ansehen, wo hingegen die Ecos ihren Warenkreislauf an die Gegebenheiten der Natur anpassen. Beide Fraktionen haben einen eigenen Grafikstil, spielen sich zu Beginn jedoch absolut identisch. Erst mit fortschreitender Spieldauer werden die Unterschiede deutlicher. So verlangen die Tycoons ab einem bestimmten Zeitpunkt nach Spirituosen, während die sanfteren Ecos Teegetränke bevorzugen. Darüber hinaus sind die frappierendsten Unterschiede in der ebenfalls neu eingeführten Ökobilanz zu finden. Jedes Bauwerk hat eine gewisse Anzahl von Ökopunkten. Manche beeinflussen die Bilanz positiv, manche negativ. Rutscht die Ökobilanz ins Negative, hat man mit Produktionsabschlägen und anderen negativen Auswirkungen zu kämpfen. Naturgemäß reagieren die Ecos auf dieses Feature empfindlicher als die abgefeimten Tycoons. Was im Vorgänger der Orient war, sind nun die Techs: Eine Forscherkaste, die nach und nach Zugriff auf erweiterte Bauoptionen liefert. Hat man die eigene Fraktion weit genug entwickelt, bekommt man über dieses Forschervolk die Möglichkeit, die Baupläne der jeweiligen anderen Partei freizuschalten. Rohstoffe über und unter WasserAufgrund des Szenarios war es zwangsweise notwendig eine neue Ressource einzuführen: Energie. Den Energiebedarf gilt es tunlichst zu decken, will man nicht mit Restriktionen innerhalb der Produktionskette belegt werden. Wer die höchsten Bevölkerungsschichten freischalten will, muss ab sofort auch den Meeresgrund erobern. Hat man genug Einfluss bei den Techs gesammelt, bekommt man die Möglichkeit spezielle Rohstoffe (Mangan, Diamanten, Uran …) unter Wasser abzubauen. Dieser clevere Schachzug sorgt dafür, das Gameplay auch auf Dauer abwechslungsreich zu halten. Zwar spielt sich das Unterwasserreich nicht anders, aber durch die hübsch detaillierte Ausstaffierung und die geografische Erweiterung ensteht ein befriedigendes Spielgefühl.Multiplayer und KampagneErstmals von Beginn an dabei ist ein umfangreicher Multiplayer Modus. Im bekannten Koop bzw. Vs. Modus übers Internet geht’s mächtig zur Sache, so es denn mal lagfrei läuft. Während des Tests gab es oft Verbindungsprobleme und Aussetzer. Wer auf einen LAN-Modus setzt, wird enttäuscht. Als kleines Trostpflaster dürfen Online Spieler ihre Arche (zentrale Meeresbasis) mit allerlei Firlefanz upgraden und diese Verbesserungen ins Offline-Spiel mitnehmen.Wer die Kampagne anspielt, wird mit gemischten Gefühlen vor dem Bildschirm sitzen. Die Geschichte über ein Forscherteam, das ein mächtiges Artefakt entdeckt, ist nicht das Problem. Einerseits geht das Kampagnendesign weg vom Aufbauprinzip, hin zu Botenmissionen und Gefechtssituationen, was für sich gesehen keine schlechte Idee ist. Schlecht ist aber die Inszenierung der Geschichte, die langatmig und zahnlos präsentiert wird. Dadurch drängt sich einem regelmäßig das Gefühl auf, das hier extrem viel Potenzial ungenutzt gelassen wurde. Optik und SoundWas Optik und Sound betrifft, kann und konnte man nie meckern. Zwar sind die grafischen Unterschiede zum Vorgänger (abgesehen vom Setting versteht sich) nicht gleich zu sehen, das liegt aber daran, dass die Serie optisch ein dermaßen hohes Niveau erreicht hat, dass man Gefahr läuft, das Ganze mit Effekten zu überfrachten. Das ist hier nicht passiert, Anno 2070 schaut wunderschön detailliert und poliert aus. Als Freund orchestraler Musikbegleitung wurde ich in Anno 2070 sehr gut unterhalten. Angenehme, dem Ohr schmeichelnde Stücke, verbunden mit einer professionellen Lokalisierung verdienen die Höchstnote im Soundbereich. |
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