Auf dem PC sind Weltkriegsshooter schon eine feste Größe und auch auf der PS2 könnt ihr euch jetzt durch den Zweiten Weltkrieg ballern: Mit Call of Duty - Finest Hour tritt der enorm erfolgreiche Kriegsshooter auf den Konsolenplan und stürzt sich in den immer härter werdenden Konkurrenzkampf. Mit authentischen Missionen, die entscheidende und brisante Schlachten des Zweiten Weltkriegs darstellen, soll euer Adrenalinspiegel in bisher ungeahnte Höhen getrieben werden. Ob es allerdings wirklich für einen Ausflug in den Genreolymp reicht ober ob dem Spiel auf halber Höhe die Luft ausgeht, zeigt euch unser Test.
Das wahre Antlitz des Krieges
Der Beginn von Call of Duty - Finest Hour weckt Erinnerungen an die Landung in der Normandie, führt euch aber direkt in den Hexenkessel von Stalingrad. Aus der Sicht einfacher Soldaten erlebt ihr epische Infanterieattacken, bei denen sich teilweise mehr als 50 Soldaten gleichzeitig auf dem Bildschirm bekämpfen. Gemeinsam mit einer Truppe Soldaten stürzt ihr euch in die Schlacht und vergießt bald das erste Blut eurer Feinde. Die Situation der jungen, unerfahrenen Rekruten wird durch den atmosphärisch gelungenen Auftakt glaubhaft transportiert und schnell steht fest, dass ein Rückzug ausgeschlossen ist.
In weiteren Missionen müsst ihr unter anderem als Scharfschütze eine Fabrik beschützen oder am Steuer eines Panzers die Vorstöße der Amerikaner in Belgien unterstützen. Die dadurch suggerierte Abwechslung stellt sich allerdings nur für diejenigen unter euch ein, die bisher noch keinen anderen Shooter mit Weltkriegsetting gespielt haben: Frische Ideen sind rar gesät.
Die ersten Verluste lassen nicht lange auf sich warten
Während im Krieg normalerweise immer die Unschuld das erste Opfer ist, war es bei dem neuesten Aufguss der Call of Duty-Reihe die Innovation: Im peitschenden Kugelhagel sprintet, kriecht oder hechtet ihr von einem vorgescripteten Ereignis zum nächsten, immer in der vagen Hoffnung, dass doch noch irgendwo eine neue Idee aufflackert. Stattdessen zischen aber nur Schüsse durch die Luft und Kampfschreie entladen sich aus Soldatenkehlen. In ihrem Bestreben, Call of Duty - Finest Hour wie einen Kinofilm wirken zu lassen, verloren die Macher vollkommen aus den Augen, dass es zu einem gelungenen Spiel mehr braucht als eine dröge Rahmenhandlung und lauter Augenwischerei. Die harte Kritik an einzelnen Aspekten des Spiels wird auch durch das aggressive Marketing provoziert, dass ein Spieleerlebnis der Extraklasse und einen der Megahits des Jahrs förmlich erwarten lässt. Doch die Fallhöhe zwischen Marketingversprechen und Realität lässt oftmals über den Erfolg bei der verwöhnten Spielergemeinde entscheiden.
Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr
Zu bemängeln ist mal wieder die künstliche Intelligenz eurer Weggefährten, die euch oft einfach durch ihr passives Verhalten im Stich lassen. Auch bei Call of Duty - Finest Hour ist Team deshalb nicht die Abkürzung für „Toll, ein anderer macht’s!“. Verlasst euch lieber nicht auf eure virtuellen Kameraden, denn ihre Hauptaufgabe scheint darin zu bestehen, Löcher in die Luft zu ballern und im entscheidenden Moment mit einem beherzten Schritt zur Seite genau in eure Sicht zu treten. Die in der Produktbeschreibung des Herstellers gerühmte „ausgereifte KI, durch die sich Ihr Trupp wie eine ausgebildete Militäreinheit samt authentischer Taktik verhält“ platzt jedenfalls nach den ersten ärgerlichen Erlebnissen mit den tumben Teamkameraden wie eine Seifenblase.