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Test: FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010
Toller Fußball, aber leider nur ein Modus
Von wegen: alle Jahre wieder! EA schafft es, zweimal im Jahr den Fußball virtuell in die Verkaufsregale zu schieben – zumindest dann, wenn eine Welt- oder Europameisterschaft auf dem Plan steht. Gemessen an der durchschnittlichen Entwicklungszeit, die ein Spiel heute so hat, ist das entweder eine beachtliche Leistung oder ein massiver Angriff auf den Geldbeutel des Spieler oder beides. Im Fall von FIFA WM 2010 fällt es schwer, die Nachteile zu übersehen, obgleich der Titel wirklich eine Menge Verbesserungen im direkten Duell mit dem ohnehin schon starken FIFA 10 bietet.Südafrika, wir fahren nach Südafrika!Zugegeben: Sprechchöre in dieser Form klingen im Vergleich zu dem, was die DFB-Pokalfinalisten vor dem Einzug nach Berlin skandieren, ziemlich holperig. Was tun wir denn nun eigentlich in Südafrika? Machen wir uns für die Hungersnöte auf einem unterentwickelten Kontinent stark? Bauen wir Solaranlagen oder besuchen wir die Familien, deren Kinder beim Papstbesuch zu Tode getrampelt wurden? Nein, wir spielen Fußball, sofern wir keine Lederallergie haben, wir finden heraus, welche Nation am besten mit dem Spielgerät umgehen kann und sich am Ende Weltmeister nennen darf. Was für ein Spektakel. Und das alles in diesem Spiel.Aber das war es dann auch schon in FIFA WM 2010: Es gibt nur die Weltmeisterschaft und die Qualifikation dorthin, keine Ligen, keine Möglichkeit, die bisherigen Weltmeisterschaften der vergangenen fast 100 Jahre nachzuspielen, alles dreht sich um das aktuelle Jahr. Was den Umfang anbelangt, ist das enttäuschend, denn als Modi gibt es neben der Endrunde und der Quali nur noch den Mannschaftskapitän-Modus, was sich als Virtual-Pro-Variante entpuppt, sowie die Herausforderungen, die sich aber ebenfalls um dasselbe Thema drehen. Und dann gibt es noch die Online-Modi, die aber auch nur mit den Nationalmannschaften bestritten werden können. Es haben alle Elite-Teams der Länder der Welt den Sprung in das Spiel geschafft, bei den Kadern haben die Macher wohl direkt mit den Trainern gesprochen: Kuranyi ist nicht mit dabei, Frings steht hingegen im Aufgebot... Mag das alles in allem ganz schön sein, ist es doch eben auch sehr stark eingeschränkt, die Vielfalt bleibt auf der Strecke, es geht hier nur um die Fußball-WM. An dieser Stelle muss es dann kommen: FIFA 11 steht schon in den Startlöchern und wird in nicht einmal einem halben Jahr erscheinen – zu spät für die WM, aber gut genug, um den Käufer zweimal zu melken. Du hast die Haare schön, du hast...Im Vergleich zu FIFA 10 ist das Spiel noch etwas besser geworden: Das Gameplay ist jetzt noch etwas flüssiger, die Animationen wurden verbessert und erweitert, die Jubelszenen sind stimmiger, die Torschüsse sind krachender, das Passsystem ist etwas griffiger, die Torwarte lassen sich nicht mehr durch jeden Heber überrumpeln und die Zweikämpfe wirken nun noch einen Tick realistischer. Die Unterschiede fallen einem FIFA-Zocker sofort ins Auge, Gelegenheitsspieler müssen aber darauf hingewiesen werden. Was die Optik anbelangt, wurde neben den Animationen auch der Wiedererkennungswert der Spieler erhöht, Schweiß perlt über die angestrengten Gesichter, was sich freilich nur in den Nahaufnahmen erkennen lässt. Grausam hingegen ist die neue Elfmetersteuerung, die so kompliziert geworden ist, dass ich zum einen keine Lust habe, sie zu erklären, zum anderen so wenig Spaß macht, dass ich in den K.o.-Spielen kurz vor Schluss lieber ein Eigentor geschossen habe, um dem hanebüchenen Elferpieken zu entgehen. Insgesamt ist der Titel etwas zugänglicher geworden, was für Profis zu Lasten des Schwierigkeitsgrades geht: Für Kenner ist die KI leichter zu bezwingen und sie wenden sich besser dem Online-Modus zu, um sich mit menschlichen Gegnern zu messen. Online spielt sich der Titel wie schon in den vergangenen Jahren sehr flüssig, ohne dass irgendwelche Einbußen zu verzeichnen wären. Allerdings muss auch hier noch einmal darauf hingewiesen werden, dass der Umfang gering ist und sich letztlich auf nur einen Modus beschränkt: die WM 2010.Das ist ja alles so schön bunt hier...Ganz ehrlich: Als ich die Disk zum ersten Mal in der Konsole hatte, dachte ich: Verdammt, das ist das falsche Spiel, das ist König der Löwen. Gut, die optische Präsentation ist Geschmackssache und zudem an die offizielle Webseite der FIFA angepasst, was ganz sicher kein Standard für Qualität sein muss. Was aber zum Standard werden sollte sind die neuen Statistiken, die etwas umfangreicher und kompakter als bei FIFA 10 daherkommen. Echte Scorer-Listen gibt es aber nicht, die Vorlagen werden wieder nur rudimentär erfasst und im Gameplay gibt es immer noch die nervtötende, mathematische, millimetergenaue Auslegung der Abseitsregel: Fehlerquote gleich Null.Passend ist der runderneuerte und teilweise auf Afrika abgestimmte Soundtrack. Ein Spiel, ganz im Zeichen Südafrikas also, das nach der WM deutlich an Reiz und Preis verlieren dürfte. |
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