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Test: Yakuza 4
Geheimtipp für Fans oder endlich massentauglich?
Was für uns Europäer und Amerikaner Grand Theft Auto ist, ist speziell für den Japaner die Yakuza-Reihe. Tatsächlich schaffen es die Jungs von Sega das Rockstar-Konzept mit einem Shen Mue zu verbinden und mit ihrem speziellen Touch zu verwirklichen, und das regelmäßig – wenn auch mit fast einem Jahr Verzögerung für unsere Märkte. Durch und durch asiatisch präsentiert sich nun auch der vierte Teil, der auch hierzulande immer beliebter werdenden Serie. Doch können auch diesmal mehr als nur Fans bedient werden?Four in oneDie Serie war schon immer dafür bekannt, mit Genrekonventionen zu brechen. Das fängt bereits bei dem Protagonisten an, pardon den Protagonisten. Denn in diesem Teil verfolgen wir nicht nur den Handlungsstrang eines Haupthelden, sondern gleich den von vier und zwar abwechselnd. Das Konzept hat Vor- und Nachteile. Ein interessanter Ansatz dabei ist, dass die verschiedenen Geschichten der vier Charaktere irgendwann zusammen führen und man dann verwundert ist, wie gut doch alles zusammenpasst. Zudem besitzt jeder der Helden sehr unterschiedliche Charakteristika und Fähigkeiten. Nachteilig dabei ist jedoch, dass die Wechsel auf Dauer nerven. Es fällt schwer, sich von einem hochtrainierten Charakter zu lösen und sich dann mit dem anderen zu identifizieren. Ebenso schwer fällt es, jeden einzelnen Protagonisten zu mögen und seine Motive zu verstehen - denn diese sind oftmals nicht deutlich genug ausgearbeitet.Wie in jedem Yakuza-Teil spielt auch dieser in einem Open-World Tokyo. In bester GTA Manier können wir jederzeit überall hin. Besser gelöst als in Rockstars Version ist aber, dass uns tatsächlich auch jeder Passant etwas zu sagen hat. Dabei ist erstmal egal, ob wichtig oder nicht, das Gefühl mit jedem sprechen zu können, steigert die ohnehin dichte Atmosphäre des Titels. Auf der anderen Seite sind wir aber stets zu Fuß (oder höchstens per Taxi) unterwegs durch die Straßen der Großstadt, selbst fahrbare Untersätze fehlen gänzlich. Im Kern ein Beat'em UpUnd wie es sich für einen Japano-Titel gehört, wird viel geredet ... sehr viel. Manche Zwischensequenzen dauern über eine halbe Stunde und in dieser Zeit bleibt uns nichts anderes übrig, als den mehr oder weniger spannenden Dialogen zu lauschen und das Gamepad aus der Hand zu legen. Oder wir entscheiden uns dazu, die Sequenzen zu überspringen, verpassen so aber womöglich die wirklich interessanten Stellen. Sitzfleisch und Geduld sind also Muss, um an diesem Spiel Freude zu haben und gerade zu Beginn wird dem Spieler unnötig viel abverlangt. Dafür erstreckt sich allein die Hauptstory (ohne übersprungene Sequenzen) auf gut 30 Stunden, dabei gibt es auch abseits der Hauptpfade noch Nebenaufgaben zu erledigen. Dazu gehören zwar auch recht langweilige Missionen nach Schema "Finde x" oder "Verprügle y", jedoch öffnet sich dem findigen Spieler außerdem ein reichhaltiges Sortiment an spaßigen Minispielen. Von Kampfturnieren bis hin zum Golfen ist alles dabei und in Sachen Abwechslung kann Yakuza 4 im Vergleich zu westlichen Pendants hier noch einiges drauflegen.Doch Yakuza 4 hat auch rollenspielähnliche Züge. Durch Vorankommen in der Story und Erfüllen von Nebenmissionen erhalten wir Erfahrungspunkte, die wir dann in neue Fähigkeiten investieren können. Dazu gehören Angriffe oder passive Statusverbesserungen. Denn letztendlich geht es auch in diesem Titel wieder vornehmlich ums Prügeln - direkt auf der Straße, über den Dächern Tokyos oder in Hinterhof-Arenen. Unser Kampfrepertoire ist dabei recht vielseitig und erfreulich ist ebenfalls, dass jeder unserer vier Protagonisten einen eigenen Stil besitzt. Im Kampf schlagen und treten unsere Recken nicht nur zu, sondern können auch Würfe auspacken, Waffen zu Hilfe nehmen oder nach aufgeladener Leiste Spezialangriffe ausführen. Insgesamt sind die Kämpfe so fast schon zu einfach, Blocken oder Ausweichen ist selten nötig, lediglich bei Bossen. Schall und RauchTechnisch wirkt Yakuza 4 durchaus beeindruckend. Trotz alter Engine aus dem dritten Teil wirkt vor allem die Millionenmetropole Tokyo äußerst lebendig, geradezu realistisch. Auch die Inszenierung der Kämpfe kann sich sehen lassen. Abstriche müssen dagegen bei den Charaktermodellen gemacht werden. Diese sehen teilweise aus wie Wachsfiguren. Ebenso sind die störend häufigen Ladezeiten kombiniert mit den ellenlangen Sequenzen ein Problem. Und wie auch schon alle vorigen Teile der Serie kommt Yakuza 4 komplett im Originalton japanisch mit lediglich englischen Untertiteln, was es noch anstrengender macht, der langatmigen Story zu folgen. Immerhin kann der restliche Sound überzeugen. Die meisten Situationen werden musikalisch geeignet untermalt. Nichtsdestotrotz muss man Japan-Fan sein, um an dem Setting Gefallen zu finden. Daher wird es auch dieser Teil wieder schwer haben, sich hierzulande in einer breiteren Masse zu etablieren. |
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