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Test: Gladiator - Sword of Vengeance

Antikes Gemetzel im Reich der Titanen - Packt das Kurzschwert aus und schärft eure Streitaxt!
 
Vor einiger Zeit erweckte der oscarprämierte Hollywood-Streifen Gladiator das praktisch seit Jahrzehnten vor sich hindämmernde Sandalenfilm-Genre zu neuem Leben. Seitdem haben bereits einige Spielefirmen mehr oder weniger erfolgreich versucht, vom erfreulich hohen Beliebtheitsgrad der antiken Thematik rund um todgeweihte Arenakämpfer zu profitieren. Neben dem eher Strategie- bzw. RPG-betonten Gladius verdient in diesem Bereich vor allem das actionreiche Schlachtengemälde Gladiator – Schwert der Rache unsere Aufmerksamkeit.

Morituri ... Äh, was?! Ich bin schon tot?

Eine Grundvoraussetzung für den Aufstieg zum römischen Kaiser ist offensichtlich das Fehlen einiger Keramikprodukte im sprichwörtlichen Schrank. Nero brennt mal kurz die halbe Stadt ab und singt dazu ein fröhliches Liedchen, Caligula ernennt sein Lieblings-Hottehü zum Senator ... nun ja, ich glaube ihr versteht schon was ich meine.
Auch Arruntius, der nicht sonderlich liebenswerte neueste Imperator, hat ein paar ernstzunehmende psychologische Probleme. Getrieben von Größenwahn will er auf den Ruinen Roms eine neue Stadt namens Arruntium (<- äußerst fantasievoll) errichten und zur Feier des Tages soll eine gewaltige Party steigen. Mit den blutigsten Gladiatorenkämpfen aller Zeiten. Wirklich nett. Vor allem weil ausgerechnet der Held unserer Geschichte als Hauptattraktion vorgesehen ist. Genauer gesagt: sein frühzeitiger Abgang von der Bühne des Lebens.
Und so landet der ehemals unbesiegte Champion Thrax im Elysium, einer Zwischenwelt vergleichbar mit dem christlichen Fegefeuer – nur mit netterer Inneneinrichtung ;) Die Götter sind nämlich noch nicht ganz fertig mit ihm: Zwei abtrünnige Überwesen haben sich mit Arruntius verbündet und das römische Volk verroht immer mehr, wodurch die Macht der rechtmäßigen Herrscher zu schwinden droht. In einem halben Dutzend umfangreichen Welten nimmt Thrax deshalb den Kampf gegen allerhand mythologisches Gesocks wie etwa die tumben Zyklopen auf. Diese einäugigen Riesen hatten ja schon den armen Odysseus zum Fressen gern und auch sonst wurden verschiedenste antike Legenden als Inspirationsquellen für das Monsterdesign zu Rate gezogen.

Hackebeil und Gladius

Bereits vor seinem unerwarteten Abtreten konnte sich der braungebrannte Muskelprotz im vollbesetzten Kolosseum mit den wichtigsten Fähigkeiten seines durchtrainierten Körpers vertraut machen: Mit den Schultertasten werden Ziele anvisiert, damit man sie anschließend per A- oder X-Button nach allen Regeln der Kunst (unter anderem mithilfe einiger Combos) vermöbeln kann. In brenzligen Situationen empfiehlt sich dagegen eine schnelle Ausweichbewegung, je nach Situation durch seitliches Rollen oder flinke Sprünge nach hinten.
Das Waffenarsenal beschränkt sich auf drei (nach einer Weile fast immer wechselbare) Metzelinstrumente, welche später aber immerhin in mehreren stärkeren Variationen zu finden sind. Die klingenbesetzten Armschienen erlauben blitzschnelle Manöver, richten im Gegenzug aber nur wenig Schaden an. Die Streitaxt überzeugt durch hammerharte Schläge sowie eine nicht zu verachtende Reichweite, lässt Thrax aber etwas tanzbärenähnlich langsam durch die Gegnermassen wirbeln. Und als Allround-Waffe mit weitgehend ausgeglichenen Eigenschaften entpuppt sich schließlich das gute alte Schwert. Der Erfolg hängt zudem auch immer vom jeweiligen Gegenüber ab – man sollte also ruhig etwas herumexperimentieren.

Gut trainiert ist halb gewonnen

Eine Besonderheit des Spiels sind die überall verstreuten Portale zu kleinen Kampfplätzen in parallelen Dimensionen. In diesen, nur selten zwingend vorgeschriebenen, Aufgaben geht es stets unter Zeitdruck um das Ausschalten großer Monstertruppen oder das Zerstören festgelegter Objekte. Gemeine Zusatzregeln wie das Verbot bestimmter Waffen oder ein mickriger Vorrat an Lebensenergie machen das Ganze außerdem noch deutlich spannender. Netterweise hat man (die nötige Geduld vorausgesetzt) unendlich viele Versuche zur Verfügung. Und das Engagement lohnt sich in jedem Fall, denn neben zusätzlichen Energieeinheiten lassen sich auf diesem Weg vor allem auch Erweiterungen für die einzelnen Waffen ergattern.
Eine Leiste am oberen Bildschirmrand wächst fortan bei besonders gelungenen Szenen wie etwa perfekten Combos oder dem Wechsel zwischen unterschiedlichen verdutzten Feinden und Thrax profitiert von einigen praktischen Sonderzuständen. Auf diese Weise teilt er vorübergehend beispielsweise die doppelte Schadensmenge aus. Ein kleinwenig Taktik ist also durchaus gefragt, denn bei sturem Button-Hämmern gehen die feinen Spezialfähigkeiten vielleicht schneller wieder verloren als man „Upps, so ein Mist“ sagen kann.

Nicht schlau, aber stark

Wenn man es mit übersinnlichen Kreaturen zu tun bekommt, ist Waffengewalt bekanntlich nicht immer das geeignete Mittel zum Sieg, weshalb auch der tapfere Gladiator im Laufe des Abenteuers ein paar magische Kniffe erlernt. Drei Zauberformen erleichtern ihm nach dem Aufladen durch erfolgreiche Schläge nicht nur die häufigen Gefechte, sondern kommen darüber hinaus auch bei (zugegebenermaßen verdammt simplen) Rätseleinlagen zum Einsatz. Mit der Macht des Herkules werden zum Beispiel robuste Gefäße zertrümmert, während die düstere Pluto-Magie Monster ihrer Lebenskraft beraubt.
Viel mehr als einfachste Schalteraufgaben, das Sammeln von Schlüsseln und gelegentliche taktische Boss-Duelle kann man diesbezüglich wie bereits angedeutet jedoch nicht erwarten. Begeisterte Gehirnakrobaten dürften sich also schnell unterfordert fühlen, während Metzelspezialisten angesichts spektakulärer Massenschlägereien am laufenden Band frohlocken.

Schwitzende Gestalten im Reich der Titanen

Im Grafikbereich sind insbesondere die stimmungsvollen Lichteffekte häufig eine echte Augenweide und verleihen den antiken Gefilden mit ihren zerfallenen Säulengängen, Höhlensystemen oder Strandabschnitten eine große Portion Abenteuerflair. Wenn dann noch grünliche Nebelschwaden über sumpfigen Teichen wabern, wirkt das Geschehen auf seine eigene, mythologische Art ausreichend lebensecht, auch wenn manche Gegnermodelle ein paar zusätzliche Details vertragen könnten. Die zoombare Kameraperspektive kann dummerweise überhaupt nicht manuell gedreht werden, was dem armen Thrax an diversen Orten leichte Orientierungsschwierigkeiten beschert. Dazu kommen ärgerliche Missgeschicke beim Anvisieren der aggressiven Sagen-Raufbolde. Die Xbox-Fassung ähnelt der PS2-Alternative was das Gameplay angeht bis aufs Haar, bietet dank dezent schärferer Grafik aber zumindest einen kleinen technischen Vorteil.
Zu erwähnen wäre hier noch Acclaims Veröffentlichungs-Politik, denn dieses Spiel ist sowohl als entschärfte Version ab 12 Jahren als auch für erwachsene Zocker erhältlich. Die jugendfreie Variante ersetzt die ursprünglich üppig fließenden Blutströme durch unzählige Schweißperlen (da hat das Deo wohl gewaltig versagt) und verzichtet auf besonders brutale „Fatality Moves“ zum endgültigen Abschlachten geschwächter Widersacher.
Anders als viele andere aktuelle Games wurde zumindest die jugendfreie Version von Gladiator mit einer komplett deutschen und zudem auch noch professionell anmutenden Sprachausgabe versehen (- die ungeschnittene Fassung setzt dagegen auf die englischen Originalstimmen). Etwas weniger vorbildlich sind gleichzeitig die stellenweise ein wenig unbeholfen wirkenden Bildschirmtexte übertragen worden. Die Musikuntermalung besteht aus hörenswerten orchestralen Melodien, gepaart mit typischen Soundeffekten für klirrende Schwerter und grunzende Bösewichte.

Fazit

Echte Hack&Slay-Liebhaber mit einem Fable für antike Szenarien können mit Gladiator eigentlich nicht viel falsch machen. Das genretypische Buttonsmashing wird durch nette Ideen wie die verschiedenen Upgrades der Waffenleiste letztendlich zwar nur unzureichend entschärft, aber gerade zum Abreagieren eignen sich die Monster-Kloppereien sicherlich immer wieder gut. Die Spielzeit von kaum mehr als zehn Stunden wirkt auf den ersten Blick ein bisschen kurz, bewegt sich aber im Vergleich mit der Dauer anderer Actionausflüge auf gar nicht allzu niedrigem Niveau. Ein Multiplayermode mit Arenakämpfen oder anderen Herausforderungen wäre bei dieser Thematik möglicherweise trotzdem keine schlechte Idee gewesen. Was bleibt ist ein recht kurzweiliges, linear aufgebautes Gladiatorenspektakel mit überzeugender Präsentation, welches Freunde ausgiebiger Denkaufgaben oder Erkundungstouren aber sicherlich nicht übermäßig lange an den Controller fesseln wird.
Screen 1
Da steht er, der Bösewicht
Screen 2
Äh, Moment. Kämpft ihr nicht eigentlich in einer anderen Gewichtsklasse?
Screen 3
Das Tor muss durch Magie zerstört werden, weil sonst immer mehr Geister auftauchen
Screen 4
Skelette tauchen gerade am Anfang sehr häufig auf
Screen 5
Selbst Feuerdämonen können gegen unsere Waffen nichts ausrichten
Screen 6
Typische Szene aus einer Nebenaufgabe
Screen 7
Irgendjemand hat hier einen Schlüssel in der geisterhaften Tasche
Screen 8
Einer der beiden göttlichen Obermotze
Screen 9
Niemand zuhause?
Screen 10
Was nun?

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