Es gibt überall Vorurteile, wir alle bewerten Dinge nach dem Äußeren oder nach einem Erfahrungswert, davon kann sich niemand ganz frei machen. Ich ganz sicher nicht, denn nach dem Test von Madden NFL 08 für den PC graute es mir schon davor, das Spiel auch noch für die Xbox testen zu müssen. Und das, obwohl ich als Sportler und bekennender Football-Fan im Grunde genommen froh sein müsste, so etwas anspielen zu dürfen - aber die Enttäuschung nach dem Windows-Produkt war einfach zu groß. Mein Vorurteil, dass in einer nahezu identischen Verpackung auch ein nahezu identisches Spiel liegen muss, wurde allerdings nicht bestätigt – und ich habe meinen Glauben an das virtuelle Football-Spiel wiedergefunden. Wer Lust hast, der nimmt neben mir in der Offense-Line Platz und wartet auf das erste „hut“ – die Jungs von gegenüber machen wir platt!
Stimmungsvoller Einstieg, nüchternes Menü
American Football bleibt hierzulande eine Randsportart, die sich vermutlich nie durchsetzen wird. Vielleicht liegt es an der Mentalität der Deutschen, vielleicht an den angeblich zu komplizierten Regeln – wobei auch noch lange nicht jeder Sauerkraut-Esser verstanden hat, wie Abseits im Fußball eigentlich definiert wird. Egal, beim Football muss die ovale Lederpille in die Endzone des Gegners gebracht werden, alternativ gibt es das Fieldgoal, mit dem ebenfalls Kerben auf das Punktekonto geritzt werden können. Zwischen den beiden Endzonen liegen 109,7 Meter Zweikampfhärte und Passgenauigkeit und bei einer Spielfeldbreite von 48,5 Meter auch genug Raum für spielerische Ideen. Ich mag das Spiel eben, aber mit Madden NFL 08 dürfte das allen Xbox-Konsoleros ebenso gehen – wenn sie zumindest ein bisschen am Sport interessiert sind.
Bevor es überhaupt losgeht, gibt es eine erstklassige Einstimmung per Video, bei dem Sequenzen aus der National Football League (NFL) mit Szenen aus Madden NFL 08 geschickt verknüpft wurden. Ja, da wächst die Vorfreude auf das schnelle, harte Spiel mit den eingelegten Zwangspausen. Ernüchterung allerdings im Menü, das auf mich ein wenig lieblos und altbacken wirkte. Allerdings befinden sich gestandene Madden-Fans in bekannter Umgebung, denn die Struktur und der Aufbau des Menüs haben sich nicht großartig verändert, einige Optionen sind weggefallen, um für mehr Übersichtlichkeit zu sorgen. Bei den Spielmodi gibt es nun kein einzelnes Liga-Jahr mehr, und das Freundschaftsspiel ist weggefallen, kann aber über „Play Now“ erreicht werden – der übergeordnete Punkt des Hauptmenüs. Der kleine Pferdefuß: Die amerikanische Nationalsportart wird dementsprechend in der Landessprache präsentiert – wer also auf einen Funken Deutsch hofft, wird enttäuscht und hat sicher Orientierungsprobleme. Das Handbuch ist allerdings für einheimische Leser klar verständlich, wenn auch knapp gehalten.
Geblieben sind die Kernstücke des Madden-Systems: Der Franchise-Modus, in dem eine Mannschaft über Jahre hinweg in der NFL betreut wird, und der Superstar-Modus, bei dem ihr einen Nachwuchsspieler in die „Hall of Fame“ bringen müsst. Als nette Funktion für die Sportfans kann auch eine Direktverbindung mit ESPN hergestellt werden, so dass ihr immer über die amerikanischen Sportereignisse auf dem Laufenden gehalten werdet. Für mich ein kleiner Höhepunkt, allerdings gibt es diese Informationen nur auf Englisch.
Ein echter Touchdown: die Steuerung
Genug der trockenen Vorrede, betreten wir einfach mal die Arena und schauen uns an, was sich spielerisch auf dem Rasen oder dem künstlichen Geläuf so tut. Um es kurz und knapp auszudrücken: hui! Mit dem ersten Spielzug wird euch das Geschehen auf dem Bildschirm fesseln, was sich EA da an Animationen und Spielwitz hat einfallen lassen, macht einfach nur noch Spaß. Das beginnt schon mit der Steuerung, die eingängig ist und punktgenau auf dem Spielfeld umgesetzt werden kann. Ob nun als Quarterback, als Half Back oder auch als Guard: Mit wenigen Bewegungen der Sticks oder dem Drücken von Knöpfen habt ihr das Spiel in der Offensive jederzeit im Griff. Aber auch Defensiv-Muffel werden bekehrt, denn die Tacklings oder Interceptions gehen leicht von der Hand und sorgen schnell für Erfolgserlebnisse. Bewegt ihr einen Half Back oder einen Running Back, so ist es wirklich kinderleicht, ein Ausweichmanöver auszuführen. Wenn EA nur alle seine Spiele so programmieren würde, ach, sie hätten einfach nur die PC-Version angleichen können, aber die hinkt mit verknoteten Beinen meilenweit hinterher.