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Test: Iron Man

Hölzerne Filmumsetzung des eisernen Mannes
 
Viele junge Menschen leiden unter Allergien, gerade in der aktuellen Jahreszeit, dem Frühling. Aber es gibt auch Allergien, die unabhängig von Blütezeit, Hausputz oder Pestiziden sind: Viele Videospieler leiden unter einer Filmumsetzungs-Allergie. Wenn sie hören, dass ein Spiel zum gleichnamigen Kinohit veröffentlicht wird, dann schlagen sie drei Kreuze und verbarrikadieren das Konto. Auch wenn Ausnahmen hin und wieder die Regel bestätigen, so fällt Iron Man leider genau unter die Kategorie Allergieprodukte.

Ein Superheld, sie alle zu retten

In der amerkanischen Comic-Kultur sind sie bliebt, in der Spielewelt oft gefürchtet: die Superhelden. Dabei ist Iron Man kein Neuling und durfte hier und da schon mal Gastauftritte feiern, kommt aber jetzt im „offiziellen Spiel zum Film“auf den Markt. Auch wenn der Kinostreifen durchaus zu überzeugen weiß, so hat das Konsolen-Pendant deutliche Tücken. Zumal die zweistündige Handlung des Films einfach nur aufgeblasen und gestreckt wurde – eine verwässerte Suppe schmeckt eben nicht besser. Und viel mehr als das Solo-Spiel und die sukzessive freigeschalteten Zwischensequenzen, die später angesehen werden können, stehen im Hauptmenü auch nicht zur Verfügung.
Im Spiel ist man der ehemalige Waffenexperte Tony Stark, der mit einem Anzug aus Eisen dafür sorgt, dass die korrupte und machthungrige Waffenfirma Maggia in ihren Kreisen eingeengt wird. Im Klartext werden also Waffen mit Waffengewalt vernichtet – im Namen des Superhelden Iron Man. Aber wer fragt schon nach dem Sinn? Protagonist Tony wird im Film von Robert Downey jr. verkörpert, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er von der Digitalisierung seiner Person begeistert ist, denn die ist – wie der Rest der Grafik – durchschnittlich und enttäuschend.

Ganz geradlinig und ganz langweilig

Was den Spielablauf anbelangt, so haben die Entwickler weder das Rad noch den Spaß neu erfunden: Tony Stark alias Iron Man ballert sich durch triste Level, deren Design ebenso geartet ist. Dabei kann der Superheld entweder ganz profan zu Fuß gehen oder die Schwebe- und Flugfunktion des Anzugs in Anspruch nehmen, der sogar einen Nachbrenner im Gepäck hat. Als Waffen stehen Tony neben Maschinengewehren, Flammenwerfern und Raketen auch ein „Uni-Beam“ zur Verfügung, der zwar mühevoll zu aktivieren ist, dafür aber verheerende Auswirkungen im Zielbereich hat.
Die Gegner tauchen sowohl als Soldaten, Panzer oder Geschütze am Boden, als auch als Hubschrauber oder Jets in der Luft auf und können problemlos beseitigt werden. Also düsen wir von A nach B, machen ein paar Feinde platt, dann auf nach C und wieder ein paar Feinde plattmachen, dann zu D und weiter im Takt, bis dann schließlich der Endgegner wartet, der ohne Sinn und Verstand einfach auf uns einballert. Sollte es uns dabei erwischen, so ist das nicht so schlimm, denn insgesamt haben wir vier Leben pro Mission, so dass wir nach kurzem „Energieabfall“ weitermachen dürfen. Erst wenn die vier „Continues“ verbraucht sind, geht das Geballere ganz von vorn los. Manuelles Speichern ist im Übrigen nicht möglich, der Fortschritt wird automatisch gesichert, wovon aber nur der Missionsstart betroffen ist. Bei Abschluss einer Mission gibt es Geld, das später in die Aufrüstung des Anzugs investiert werden kann.

Schwierig, hakelig und lieblos

Wie es so mit den Filmumsetzungen ist: Das Geschehen von Iron Man ist extrem lieblos in Szene gesetzt worden, was sowohl für die Grafik als auch für die Akustik gilt. Lobenswert ist es, dass der Titel komplett in deutscher Sprache daher kommt, allerdings hätte angesichts der Leistung des Tony-Stark-Sprechers auch gut auf eine Synchronisation verzichtet werden können.
Die Grafik ist bei weitem nicht auf NextGen-Niveau, die Animationen sind allerdings noch recht passabel und auch die Luftkämpfe könnten Spaß machen, wenn sich nicht permanent alles wiederholen würden, wenn nicht ein Level wie der andere wäre – nur mit einem anderen Hintergrund. Und schließlich erweist sich die Steuerung mit den multiplen Möglichkeiten des eisernen Anzugs oft als unhandlich und hakelig, so dass auch hier der Spielspaß leidet. Am Ende steht nur ein Satz, der alles beschreibt: Das Spiel Iron Man ist die Umsetzung eines Films – wer will da mehr erwarten?



Screen 1
Der Held in glänzender Rüstung
Screen 2
...feuert auch Raketen ab und...
Screen 3
...kann schweben und fliegen...
Screen 4
Robert Downey jr. ist aber kaum wiederzuerkennen...
Screen 5
...wobei die Zwischensequenzen insgesamt sehr mau sind.
Screen 6
Dafür kann aber der eiserne Anzug aufgerüstet werden - immerhin...

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