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Test: Venetica

Die Tochter des Todes besucht Venedig jetzt auch auf der Xbox 360.
 Venetica
Wer den Sensenmann mal von seiner fast menschlichen Seite erleben möchte, kann den Roman Die Bücherdiebin lesen (übrigens sehr zu empfehlen), oder sich zum Beispiel in Venetica, das neuste Werk der AnkhWeitere Infos- und Jack KeaneWeitere Infos-Macher bei Deck 13, stürzen. Da darf man den Ausdruck Gevatter Tod durchaus wörtlich nehmen, denn der ist im Spiel nicht nur für den ordnungsgemäßen Abtransport mausetoter Seelen zuständig, sondern auch Papa einer hübschen Tochter namens Scarlett.

Auch der Tod braucht ein paar Regeln

Gerade als der aktuelle Reaper in Frieden ruhen, nämlich in Rente gehen und dem nächsten würdigen Zeitgenossen das Unternehmen überlassen, soll (endlich mal eine echt krisensichere Branche – gestorben wird immer), reißt sich ein unverschämter Nekromant die besonderen Fähigkeiten unter den Nagel, nur um damit Chaos und Zerstörung zu säen. Dass fiese Meuchelmörder Scarletts Herzblatt Benedict das Lebenslicht auspusten, schlägt dem Fass dann den Boden aus, und die anfangs noch völlig friedliche, nun aber überraschend wehrhafte Lady startet Gegenmaßnahmen in Form von ganz viel Haue beziehungsweise Schwert-Pieks.
Ihr Weg führt sie ins schöne Venedig, wo herabfallende Taubenexkremente auf dem Markusplatz anders als in der namensgebenden Stadt unserer Welt aber längst nicht das schlimmste zu erwartende Übel sind. Gerade zu nächtlicher Stunde treibt sich allerhand Ganovenvolk in den mittelalterlichen Straßen herum, welches fachgerecht zerlegt werden will.
Das passiert hier in der Verfolgerperspektive in Form von actionlastigen Echtzeit-Kämpfen. Schon die PC-Version war gut mit dem Xbox-Controller zu steuern und daran hat sich nun selbstverständlich nichts geändert. Auch die Menüs sind über die Schultertasten rasch durchzuschalten und mit den Buchstabenbuttons stehen nützliche Schnellauswahl-Tasten für Zusatzfertigkeiten oder hilfreiche Objekte bereit, wenn auch naturgemäß nicht so viele wie auf der Tastatur.
Gekloppt wird also ziemlich fleißig, ein bisschen Timing ist aber vonnöten, um wirklich effektiv zu sein – werden Folgeattacken im richtigen Moment ausgelöst, legt Scarlett feine Kombos aufs Parkett (Achtung, Wortspiel...), die teilweise von schicken Effekten wie einer Nahansicht begleitet werden.

RPG Light

Auch das Ausweichen durch Richtungsangaben in Kombination mit der X-Taste wird eifrig praktiziert, um hartnäckige Widersacher an ihren ungeschützten Stellen zu erwischen. Etwas mehr Genauigkeit bei der Steuerung wäre da nicht schlecht gewesen, weil man ab und zu schon mal ins Leere rollt bzw. die Kamera rumzickt. Insgesamt machen die Gefechte aber Spaß und werden durch verschiedene Waffengattungen mit den jeweiligen Besonderheiten aufgepeppt. Während Schwerter nur so durch die Gegnerschar sausen, kommen Hämmer nur langsam im Fahrt, überzeugen dann aber dank cooler Reichweite und ordentlich Durchschlagskraft. Außerdem zertrümmern letztere auch so manche brüchige Tür, Klingen kappen dafür Halteseile praktischer Leitern.
Beim eher einfach gehaltenen Aufleveln lassen sich lediglich vier Charakterwerte für Gesundheit, magische Energie/Kraft und Angriffsstärke ausbauen, von diversen Trainern kann sich die Protagonistin außerdem durch Fähigkeitspunkte allerlei Kniffe aneignen. Diese reichen von zusätzlichen Kombogliedern für die einzelnen Waffen über Tritte in die Weichteile bis zum Ausnehmen erlegter Tiere, deren Leder und sonstige Überbleibsel sich gewinnbringend verkaufen lassen.

Zwei Welten

Eine wichtige, weil einzigartige Rolle nimmt aber vor allem die so genannte Mondklinge ein, denn nur sie ist in der Lage, Untoten endgültig den Garaus zu machen und durch besiegte Feinde eine spezielle Energie zu sammeln. Von ihrem ungewöhnlichen Papa hat Scarlett nämlich ein paar Fähigkeiten abbekommen – mithilfe der Magie kann sie sich nach Missgeschicken wiederbeleben und siegessicheren Bösewichten so unangenehme Überraschungen bescheren. Doch auch Bossgegner machen nach der ersten Kampfrunde und ihrem eigentlich Ableben in der Unterwelt munter weiter und zeigen, von unheimlichem Nebel umwabert ihre hässlichsten Fratzen.
Die Wiederbelebung bleibt dann auch längst nicht die einzige den Geist betreffende Spezialfähigkeit. Einige gibt es bei zauberkundigen NPCSs zu erlernen, an manchen Stellen gelangt Scarlett außerdem zum ermordeten Geliebten, der ihr neue Errungenschaften für den magischen Talentbaum spendiert. Unter anderem kann man per „Schattenpfad“ das Totenreich betreten, um dort Portale zu entdecken und hinter Feinde zu schleichen, sich von einem Raben den Weg zum nächsten Ziel zeigen lassen, Übeltäter durchs Beschwören ihrer Ahnen einschüchtern oder ihnen Lebenskraft entziehen.
Doch ebenso warten auch eher gewöhnliche, zumindest genretypische Skills auf ihre Entdeckung - Alchemie und das diebische Schlösserknacken in Form eines Minigames, bei dem man sich die Reihenfolge der berührten Dietriche merken muss. Die Truheninhalte lohnen den Aufwand allerdings meistens nicht – die paar Goldmünzen und Schmuckstücke können sich die Venezianer sonstwohin stecken, Scarlett mangelt es normalerweise eh nicht an Kohle.
Screen 1
Scarlett ist mal echt eine hübsche Heldin
Screen 2
Eklig - der Doge von Venedig, einer der Untoten
Screen 3
Ruhepause mit schöner Aussicht...
Screen 4
... auch vom Dach aus

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Venetica

Packshot
Rollenspiel
von dtp, Deck 13
USK-Freigabe ab 12 Jahren
PCSeptember 2009
PS3September 2010
360Dezember 2009

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