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Totgesagte leben länger... Dabei sieht es am Anfang von Mass Effect 2 gar nicht gut aus für Commander Shepard (erneut wahlweise männlichen oder weiblichen Geschlechts, ich verwende im Text der Einfachheit halber und passend zum Cover erstere Variante): Während einer Mission gerät das treue Raumschiff Normandy in einen Hinterhalt und wird abgeschossen, viele Crew-Mitglieder können dank Rettungskapseln flüchten, doch der Anführer selbst entschwebt, dem Tode geweiht, ins All. Zwei Jahre später sieht die Sache allerdings ganz anders aus und man ist zurück im Abenteurer-Geschäft, denn die zwielichtige Organisation Cerberus hat Shepard mit modernsten Methoden und entsprechendem Budget zusammengeflickt. Natürlich nicht aus reiner Nächstenliebe. Im Auftrag des großen „Unbekannten“ muss der rekonstruierte Held einmal mehr den Kampf gegen die mörderischen Reaper aufnehmen, deren Handlanger es zurzeit verstärkt auf menschliche Kolonien abgesehen haben, was von der herrschenden Allianz weitgehend ignoriert wird. Neubeginn mit altem Helden gefällig?Die abschließenden Cerberus-Arbeiten an Shepards gestähltem Körper bilden den Rahmen für die Charaktererschaffung, äußerlich (mit der üblichen Flut an Gesichtsmerkmalen, Frisuren und Hauttypen), wie auch in Sachen innere Werte. Entscheidend ist insbesondere die Wahl der Klasse – sechs „Berufe“ wie Frontkämpfer und Infiltrator stehen dem Spieler zur Verfügung. Die Wahlmöglichkeiten sind spezialisiert auf Schusswaffen, Biotik (übersinnliche Kräfte, so was wie die Magie des Spiels) und technische Fähigkeiten, oder bilden Mischklassen aus jeweils zwei Gebieten. Des weiteren kann man wie in Mass Effect 1 zwischen mehreren möglichen Herkunftsgeschichten des Helden wählen, was später die Reaktionen mancher Figuren beeinflusst. Ein im Vorfeld stark beworbener Clou ist der mögliche Import des Hauptcharakters aus dem Vorgängerspiel, sofern man dort die Geschichte abgeschlossen hat. Aussehen und Klasse können (müssen aber nicht zwingend) übernommen werden, vergangene Entscheidungen in wichtigen Situationen verändern die heutige Handlung (zum Beispiel, wer nicht mehr am Leben ist), die angesammelte „Gesinnung“ wird anteilig übertragen und macht manche Dialogoptionen früher verfügbar, oder man profitiert möglicherweise von einem kleinen Erfahrungsbonus. Wer kein passendes Savegame zur Hand oder Mass Effect sogar überhaupt nicht gespielt hat, muss aber nicht traurig sein – auch Neueinsteiger werden nicht allzu sehr benachteiligt. Lediglich eine ordentliche Zusammenfassung des bisherigen Geschehens sollte man sich vorher unbedingt zu Gemüte führen. HimmelfahrtskommandoEin Großteil der Zeit geht drauf für die schrittweise Zusammenstellung eines schlagkräftiges Teams, um den Reaperschergen schließlich den Hintern versohlen zu können. Damit sich die jeweilige Zielperson der Gruppe anschließt, muss eine dazugehörige Mission überstanden werden (die Reihenfolge der Rekrutierungen ist dem Spieler teilweise freigestellt). Ein Dutzend mögliche Mitstreiter, darunter ein paar alte Bekannte, bevölkern das All. Auf den flüchtigen Betrachter wirken sie wie eine Ansammlung von Ausgestoßenen, Gemeingefährlichen und sonstigen Verrückten, die sich notgedrungen zusammenraufen müssen. Das geht selbstverständlich nicht ohne Streitereien ab.Vor Missionsbeginn darf der Commander normalerweise zwei Begleiter aussuchen. Diese sind nicht direkt steuerbar, man kann ihnen jedoch den Einsatz von Spezialfähigkeiten befehlen oder mit dem Steuerkreuz bzw. den Pfeiltasten Positionen zuweisen. Wenn man sie in Ruhe lässt, agieren die KI-Kameraden aber auch recht zuverlässig und teilen fleißig Schaden aus. Dem Helden blickt man über die Schulter, während er auf Knopfdruck hinter geeigneten Levelelementen in Deckung geht (oder diese überspringt – ansonsten wird aber nicht gehüpft), sich vorsichtig hinauslehnt und vor allem wild durch die Gegend ballert. Spätestens da präsentiert sich Mass Effect 2 als waschechtes Third-Person-Actiongame - hoffentlich habt ihr genug Zielwasser getrunken, denn ob Shepard z.B. einen nützlichen Kopftreffer landet, einzelne Gliedmaßen der Widersacher ausschaltet (was erst neuerdings möglich ist) oder explosive Behälter in die Luft jagt, hängt vom ruhigen Händchen des Spielers ab und nicht von ausgewürfelten Wahrscheinlichkeiten oder anderen RPG-typischen Gegebenheiten. Die Shootergefechte sind nix für Leute, die es lieber geruhsam haben. Je nach Charakterklasse und Herangehensweise ist zwar durchaus ein bisschen Taktik vonnöten, ansonsten erwartet den Abenteurer aber haufenweise Action. Für jeden die richtige HerausforderungBei zu vielen feindlichen Treffern sieht Shepard im wahrsten Sinne des Wortes rot und muss sich kurz an sicheren Orten erholen, damit er nicht aus den Latschen kippt. Das heilende Medigel wird jetzt nur noch benutzt, um ausgeknockte Mitstreiter wieder fit zu kriegen.Die abwechslungsreichen Fähigkeiten wählt man bei pausiertem Spiel oder alternativ per Schnelltasten. Brand- und Vereisungsmunition sorgen unter den Feinden für Aufregung, das biotische „Ziehen“ lässt das Opfer hilflos durch die Luft schweben, die Helferdrohne des Technikers feuert um sich und die Tarnung des Infiltrators lässt diesen unbeschadet in günstige Verstecke gelangen. Viele Bösewichte verfügen über störende Barrieren, Schilde und Panzerungen, welche nur durch entsprechende Fähigkeiten oder Munition zu durchbrechen sind. Letztendlich stellt sich bei den meisten Feuergefechten aber eine gewisse Routine ein. Das subjektive Empfinden hinsichtlich des Schwierigkeitsgrads schwankt natürlich je nach Können, gespielter Klasse und geschicktem Fähigkeiten-Einsatz. Ich finde manche Auseinandersetzungen auf „normal“ schon fordernd genug, Meisterschützen ringen die selben Szenen dagegen bestimmt nur ein müdes Lächeln ab. Aber die Herrschaften können sich ja gern auf „Wahnsinn“ vergnügen ;) Dank einer leichteren und gleich drei höheren Stufen als Ergänzung zum Standard kommen jedenfalls alle auf ihre Kosten, zumal sich der Schwierigkeitsgrad jederzeit anpassen lässt. Auch die Rücksetzpunkte samt automatischen Speicherungen sind fair verteilt. Die zum Teil klassenabhängigen Waffentypen umfassen unter anderem futuristische Schießprügel im Maschinenpistolen- und Schrotflinten-Stil sowie schwere Kaliber wie einen Granatwerfer. Diese überhitzen jetzt nicht mehr, sondern geben aufgestaute Wärme in spezielle Thermalclips ab, welche immer wieder (im Prinzip kann man es schlicht Nachladen nennen) weggeworfen und durch neue ersetzt werden. Für die normalen Waffen sind die Clips einheitlich, zum Einsatz der schweren muss man passende Munition aufsammeln. | ||||||||||||||||||||||||||||
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