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Test: Pure Football
Alle schon mal dagewesen - nur besser...
Alles war schon einmal da. Naja, fast alles. Wenn es in der Spielebranche aktuell um Fußball geht, dann denken Genrefans sofort an die beiden beherrschenden Serien Pro Evolution Soccer und FIFA . Kann es neben den beiden Giganten, die schon auf eingeschworene Fan-Basen zurückgreifen können, noch eine Nische geben? Zum Beispiel für jemanden, der sich vorher noch nie mit der Jagd nach dem runden Leder auseinandergesetzt hat und jetzt eine Coup landen will? Es war eben alles schon mal da und wer eine Nische finden will, der muss entweder das Bestehende besser machen oder das Rad, nein, den Ball neu erfinden. Ubisoft ist mit Pure Football weder das eine noch das andere gelungen. Wenn schon mal Weltmeisterschaft ist……dann wollen auch wirklich alle eine Scheibe vom Kuchen abhaben. Anders ist es kaum zu erklären, dass sich Ubisoft auf ungewohntem Terrain versucht und sich mit Pure Football auf den Rasen wagt. Allerdings nicht im klassischen Sinne, denn es geht dabei auf das Kleinfeld, auf dem nicht elf, sondern lediglich fünf Spieler herumtoben und sich ohne Schiedsrichter beharken. Wem das bekannt vorkommt, aber das Gras gerade nicht wachsen hört: FIFA Street 3 zeigte (von einigen Macken abgesehen), wie so etwas aussehen muss und mit diesem Titel ist PF auch zu vergleichen. Allerdings ist es dabei so, als träte man mit einem Kreisligisten gegen eine Nationalmannschaft an und rechne sich noch Chancen aus. PF will Fußball ohne Regeln sein, doch wenn der „Foul-Balken“ gefüllt ist, nachdem mal zu viel gegrätscht hat, gibt es umgehend Elfmeter. Es ist dabei auch egal, wo man grätscht: Ob nun in der eigenen oder in der gegnerischen Hälfte, Strafstoß gibt es immer. Klingt ein wenig wie „Drei Ecken, ein Elfer“ – nur, dass es bei den Fouls eher willkürlich und unfair gemessen wird. So viel zum Thema „Wir treten ohne Schiri an“, denn da steht PF schon mal klar im Abseits. Ziel des Spieles ist es, in einer Kampagne ein Team zu formen, das sich für eine Endrunde qualifiziert. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Der Tester hat die Qualifikation nicht geschafft, was allerdings nicht an mangelnden Fähigkeiten, sondern am schnell erlahmenden Interesse lag. Dass man das Spiel auch mit und gegen menschliche Kontrahenten spielen kann, macht das alles nicht besser, denn das Gameplay ist zäh wie Leder. Oder Kunststoff. Denn die Spielgeräte sind heute auch nicht mehr das, was sie mal waren. Ich drück doch schon die ganze Zeit…Das Angenehme an PF ist, dass die Steuerung sehr eng an PES und FIFA angelehnt ist: Schuss, Flanke und Pass sowie Steilpass, ja, selbst der Sprint mit der Schultertaste erfordert bei erfahrenen Spielern keine große Eingewöhnungszeit. Dabei haben sich die Entwickler für Flanken und Schüsse noch eine Feinheit ausgedacht: Drückt man den entsprechenden Button lange genug, kann auf einer Skala von Grün über Weiß bis Rot feinjustiert werden. Rot steht dabei für einen missglückten Versuch, Grün bedeutet, dass Schuss oder Flanke klappen, wird der kleine weiße Bereich getroffen, dann bedeutet das eine perfekte Vorlage oder Abschluss. So lassen sich auch Ecken gezielt zum Mann bringen, wenn man erst einmal das Timing drauf hat, so lassen sich Tore fast wie am Fließband erzielen. Fast, denn die Steuerung ist eine Katastrophe: Es gibt eine zeitliche Verzögerung, die das Spiel zur Qual macht, die Steilpässe sind grauenhaft ungenau, das Passspiel vollkommen lächerlich. Dazu kommt eine aberwitzige KI, die einem das Leben teilweise unnötig schwer oder auch viel zu leicht macht. Und wer beim Sprinten dann versucht, den flitzenden Spieler in eine Richtung zu lenken, der spürt ebenso schnell, dass das alles nicht funktioniert und mit Fußball wenig zu tun hat.Spielerisch wird letztlich dann auch genauso wenig geboten: Man tritt gegen Mannschaften an und muss diese nach verschiedenen Regeln der Kunst schlagen. Mal gewinnt der, der zuerst drei Tore schießt, mal dauert das Spiel fünf Minuten und mal kickt man sich durch ein Turnier, um für jeden Erfolg in der Rangliste weiter nach oben zu steigen und schließlich unter die Top Acht zu kommen. Aufwerten? Warum denn eigentlich?Im Laufe der Kampagne werden bessere Spieler freigeschaltet und der Mannschaftsführer, den ihr zuvor nach eigenen Wünschen gestaltet habt, kann in seinen Fähigkeiten verbessert werden. Das ist zum einen nichts Neues, zum anderen sind die Auswirkungen auch kaum spürbar, was die ganze Funktion dann letztlich auch in Frage stellt. Es war eben alles schon mal da – nur eben besser.Das gilt dann auch für die Grafik, die im Comic-Stil bei den Animationen durchaus ihren Charme hat, aber mit tristen Hintergründen und langweiligen Umgebungen aufwartet. Was den Sound anbelangt, kann ich nur empfehlen, die Lautsprecher ausgeschaltet zu lassen – der Unterschied ist minimal und man kann nebenbei noch passende Musik hören, die man über die hauseigene Stereoanlage dann auch selbst bestimmt. |
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