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Test: Shaun White Skateboarding

Casual-Skateboarding mit Grusel-Grafik
 Shaun White Skateboarding
Es gab da mal ein Lied vor langen Jahren, das da im Refrain lautetet: „Wärst du doch in Düsseldorf geblieben...“ Ich habe nichts gegen Düsseldorf, ich wohne dort aber nicht. Ich habe auch nichts gegen die Wii, ich will aber auch keine haben. Mit Shaun White Skateboarding gibt es nun aber ein Spiel auf der Xbox, das seine Herkunft von der Wii nicht verleugnen kann und besser in Düsseldorf, äh, auf der Casual-Konsole geblieben wäre.

Entschuldigung, welches Jahr haben wir eigentlich?

Ganz subjektiv betrachtet, ist der Skater und Snowboarder Shaun White ein hässlicher, langhaariger Kerl. Aber wenn er auf einem Brett mit Rollen steht, dann soll das egal sein. Allerdings ist ganz objektiv betrachtet das Spiel absolut unansehnlich, die Grafik ist schlicht und ergreifend nicht NextGen würdig. Auf der Wii mag so etwas noch für ein mitleidiges, aber mildes Lächeln reichen, auf der Xbox reicht es nur für peinlich berührtes Kopfschütteln. Grobe, teilweise klobige Texturen und immer wieder Clippingfehler. Und, ich gebe es zu: Im ersten Moment wollte ich keine Sekunde weiter spielen und den Test an irgendeinen anderen Redakteur abgeben, der bereits unter Depressionen leidet, statt sie mir selbst mühsam anzuspielen. Doch ich will mir keine Blöße geben, Skater sind harte Burschen und lassen sich nicht durch Stürze aus der Bahn bringen. Fakt ist aber, dass das Spiel grafisch nicht zeitgemäß ist und dass es keinen Spaß macht, die Augen zu öffnen, wenn sich Shaun White auf der DVD im Laufwerk dreht.

Eine Mischung aus Matrix und Equilibrium

Gut, verlieren wir die Optik mal aus den Augen und widmen uns dem Solo-Modus. Da steckt sogar eine kleine Geschichte in dem Titel, wenn auch nicht vollkommen neu: Die Stadt ist grau und unter dem Einfluss von Gedankenkontrolleuren, Gefühle und Farben sind verboten. Einzig der Skater Shaun White kann mit abgefahrenen und waghalsigen Aktionen auf seinem Skateboard Widerstand leisten. Dummerweise wird der Namenspate gefangen genommen und plötzlich – und wirklich: plötzlich – erstellt ihr einen eigenen Skater, seid selbst auf einem Board und skatet durch die Stadt. Warum das geschieht, bleibt im Dunkeln, aber lassen wir das jetzt einfach mal so stehen.
Durch Tricks färbt ihr die Stadt wieder bunt und befreit die gedankenlosen Anzugträger aus ihrem tristen Dasein. Je mehr Tricks wir ausführen, desto mehr „Flow“ generieren wir, eine dreistufige Leiste auf der unteren Seite des Bildschirms. Je höher der Flow, desto mehr Einfluss nehmen wir auf die Umwelt. Und wenn wir keine Tricks machen, dann nimmt der Flow auch wieder ab – so einfach ist das Skaterleben.

Die rote oder die blaue Pille?

Mit zunehmender Spieldauer erweitern sich unsere Fähigkeiten, wir können neue Tricks kaufen und auch die Kleidung des Skaters verändern. Über die Optik wollten wir ja nicht mehr reden, aber der Vollständigkeit halber: Alles rund um den Skater wie Kleidung, Brillen oder Board, Achsen und Rollen reihen sich nahtlos in die schwache Optik ein. Zum Abschluss noch ein Zitat: „Dein Kopf ist noch nicht frei“ – das sagt ein alter Mann, der unser Mentor ist und uns neue Tricks beibringt sowie die Fähigkeiten erweitert.
Wenn wir den Kopf mithilfe des alten Mannes befreien, dann können wir Rails durch die Luft verlängern, um an entfernte Orte zu kommen, gleiches gilt für Straßen und auch der Boden kann irgendwann gehoben oder gesenkt werden. Schräge Funktionen, die dem Spiel eine besondere Note geben und tatsächlich für Spielspaß sorgen.

Hü hüpf! Warte doch, Maja!

Die Steuerung ist einfach und direkt, Schwierigkeiten, sich einzufinden, dürften nur absolute Neulinge haben. Mit der A-Taste wird gesprungen, mit den Sticks führen wir Tricks aus. Auch das Grinden mit dem Halten der Balance geht sehr einfach von der Hand. Der Schwierigkeitsgrad ist dabei so niedrig, dass Stürze eine Rarität sind. Spätestens hier wird klar: Es ist ein Titel für Casual-Gamer, das Spiel ist in gut acht Stunden durchgezockt und dann war es das auch. Klar, es gibt hier und da noch versteckte Herausforderungen, die darauf abzielen, dass wir in einer bestimmten Zeit möglichst viele Tricks abliefern, aber das ist keine Motivationspille. So richtige Skater-Atmosphäre will da nicht aufkommen, zu banal ist das Gameplay gehalten. So nützt es auch nicht viel, dass ich mich via Xbox-Live mit anderen Skatern im Flow-Sammeln messen kann, das ist ganz nett, ohne aber wirklich begeistern zu können.
Während die sich schnell wiederholenden Sprüche der Passanten recht bald nerven, ist der Soundtrack ganz gut gelungen. Die meisten Songs dürften Musikliebhabern bekannt sein, was zumindest akustisch für das wohlige Gefühl sorgt, welches die Grafik vermissen lässt.
Screen 1
Grinden leicht gemacht - und die Garfik ist wirklich so schlecht.
Screen 2
Trotzdem gibt es einige Momente, in denen die Tricks in der Luft Spaß machen...
Screen 3
...oder in denen wir das Gelände formen und verändern können.
Screen 4
Dennoch ist das Spiel in erster Linie für Casual-Gamer geeignet.

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