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Test: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 1

Zückt den Zauberstab! Harry als Shooterheld.
 Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 1
Harry Potter ist erwachsen geworden. Das beweisen nicht nur „Früher-heute-Vergleichsbilder“ der Darsteller – auch die bisherigen, eher geruhsamen Streifzüge durch Hogwarts und Umgebung werden von einem waschechten Actiongame abgelöst. Ob das eine gute Idee ist?

Feuer frei!

In früheren Spielen zur Franchise wurde natürlich auch schon mit Harrys „Stechpalmenholz, Phönixfeder, 11 Zoll, federnd“ hantiert, hier ist das aber halt die Hauptbeschäftigung des Abenteurers. Das Spiel ist grob gesagt ein Third-Person-Shooter mit Zaubern statt handelsüblichen Waffen. Neben dem Standardangriff Stupor und dem Schutzschild durch Protego schießen nach und nach andere Sprüche aus dem Stab, mit denen man z.B. Gegner entwaffnen oder Objekte in deren Schussfeld schweben lassen kann. Das schwache, doch schnelle Stupor reicht aber üblicherweise völlig aus. Tauchen die gruseligen Dementoren auf, muss immerhin ein Patronus beschworen werden, der hier allerdings leider ohne die spektakuläre Hirschform dargestellt wird.
Diverse nach Siegen auftauchende Items ersetzen Granaten oder Rauchbomben, ein paar Gesöffe wie Felix Felicis erhöhen vorübergehend unter anderem die Verteidigung. Um letztere zu verbessern, kann Harry außerdem hinter Umgebungselementen in Deckung gehen, was aber teilweise beim Zielen recht unpraktisch wird.
Massenhaft Todesser und andere Voldemort-Schergen (in nur wenigen Variationen) apparieren sich begleitet von dunklen Wölkchen vor Harrys bebrillte Nase, stehen teilweise verwirrt in der Gegend herum oder bewegen sich planlos durch die Kampfschauplätze. So werden einem die Feinde im Prinzip nur durch ihre schiere Anzahl ansatzweise gefährlich. Die drei Schwierigkeitsgrade unterscheiden sich da lediglich minimal.
Durch Kämpfe levelt der Hauptdarsteller mit der Zeit auf, wodurch seine Angriffe stärker werden, mehr RPG-Anleihen hat das Entwicklerteam dem Spiel aber nicht verpasst. Herumliegende Sammelgegenstände wie Passwörter für „Potter Watch“-Radioübertragungen sind durch die Linearität der Levels eigentlich kaum zu verfehlen, wegen der meistens grau in grau gehaltenen Kulisse kann man sie trotzdem mal übersehen. Doof dass für solche Fälle keine Möglichkeit zum Wiederholen von Missionen vorhanden ist (wobei es eh fraglich ist, ob sich jemand die Levels so schnell freiwillig ein zweites Mal antun will).

Kein Vergnügen

Außer laufen, zaubern und in Deckung gehen kann der Zauberlehrling so gut wie gar nichts – selbst kleinste Hindernisse wie niedrige Zäune müssen mangels Sprungfähigkeit umständlich umgangen (oder ganz selten mal per Confringo-Spruch weggesprengt ) werden. Sauer stößt dem verwöhnten Spieler auch das allgemeine Leveldesign auf, denn häufig muss man z.B. Wege mehrmals ablaufen, weil Harry und Co. wieder zum Ausgangspunkt marschieren sollen. Rätsel oder andere Abwechslungen sucht man noch dazu vergebens.
Zwischendurch kommt lediglich der treue Tarnumhang bei Stealth-Abschnitten zum Einsatz. So muss man etwa verdächtige Personen observieren oder durch die Gänge des Ministeriums schleichen. Dabei wechselt die Ansicht in die Egoperspektive, was das Vorwärtskommen unnötig erschwert. Denn der unsichtbare Harry darf auf keinen Fall mit NPCs zusammenstoßen, die man durch die schlechte Übersicht oft erst im letzten Moment entdeckt. Darüber hinaus bewegt man sich getarnt quälend langsam und verbraucht zu allem Übel mit jedem Schritt Energie, die sich nur im Stehen wieder auflädt. Ab und zu gleitet der Hauptdarsteller währenddessen komischerweise von allein zur Seite. Kurz gesagt: Diese Bereiche des Spiels nerven kolossal.

Ich will zurück

Die allseits beliebte Zaubererschule fällt als Schauplatz ja leider schon storybedingt weg und auch sonst ist von der im wahrsten Sinne des Wortes zauberhaften Atmosphäre früherer Harry-Abenteuer wenig übrig geblieben. Düstere, karge Landschaften und finstere Gänge bestimmen das Bild, selbst die Vegetation macht einen kränklichen Eindruck. Die Gesichter weisen durchaus Ähnlichkeit zu den Vorlagen auf, vor allem ungelenke Animationen ziehen den optischen Gesamteindruck aber weiter nach unten. Akustisch wird dank guter deutscher Sprachausgabe und coolem Original-Soundtrack weitaus mehr geboten.
Die Handlung präsentiert sich sehr zusammenhanglos und ohne irgendwelche Erklärungen. Wer die Hintergründe nicht in- und auswendig kennt, versteht meist sicherlich nur Bahnhof und sogar für Fans ist das Geschehen schwer nachzuvollziehen.
Manche Missionen sind auch komplett von der Story losgelöst, etwa wenn man zahlreiche Muggelstämmige befreit oder unbeschadet durch eine Drachenhöhle gelangen muss – gerade diese Abschnitte wirken wie lieblos zusammengeschustertes Füllmaterial. Wer dann immer noch nicht genug hat, kann in einigen Herausforderungen z.B. auf Zeit alle Bösewichte besiegen (inklusive Xbox Live-Ranglisten) oder per Kinect in einer Art Railshooter durch Gesten Zauber auslösen, die aber wohl nur unzuverlässig erkannt werden.
Screen 1
Harry geht in Deckung
Screen 2
Fast das ganze Spiel sieht entsetzlich trostlos aus
Screen 3
Häufig wird man von Hermine und Ron begleitet
Screen 4
Ständig stellen sich Harry zig Widersacher entgegen

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Packshot
Action
von EA
USK-Freigabe ab 12 Jahren
PCNovember 2010
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360November 2010

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