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Test: Captain America: Super Soldier

Ein Superheld mit deutlichen Schwächen
 Captain America: Super Soldier
Es gibt ja immer so regionale Geschichten. So heißt das Alsterwasser, ein Mischgetränk aus Bier und Limonade, im Süden Radler, auch wenn dasselbe darin ist. Für Brötchen gibt es auch unterschiedliche Bezeichnungen, das ist innerhalb von Deutschland schon fast eine Wissenschaft für sich. Bei Captain America: Super Soldier ist das nun wieder etwas ganz anderes, weil der ja gar nicht aus unserem Land kommt, sondern – wie der Name schon sagt – ein großer Kämpfer der USA ist. Patriotismus inklusive, da greift das bekannte »Nomen est Omen«. Wer vom amerikanischen Retter noch nie etwas gehört hat, greift zu den Marvel Comics und liest sich über den genmanipulierten Super-Soldaten schlau.

Wie? Was? Schon wieder ein Film und dazu ein Spiel?

Ja, ja, im Zug der gnadenlosen Lizenzverwurstung kommt nun auch Captain America in den Genuss, auf den Konsolen spielbar zu sein – ausschlaggebend dafür ist mal wieder ein Film. Mit einem Mann, der aus Flugzeugen springt und im zweiten Weltkrieg so richtig und mächtig aufräumt, dass es kracht. Aber, bitte, es geht hier nicht um Nazis, sondern um einen viel schlimmeren Feind: den berüchtigten Red Skull. Historiker werden diesen Namen nicht kennen, wir bewegen uns im Bereich der Fabeln und Comics, Nazi-Symbole gibt es demnach auch nicht und das rechte Pack kann sich sowohl off- als auch online also wieder von dannen schleichen. Ziel des Spiels ist es, die Machenschaften den bösen Red Skulls und dessen Schergen zu vereiteln, was natürlich auch darin mündet, dass wir, also die Amerikaner, mal wieder die Welt retten werden.
Das Spielprinzip ist also schon mal nicht neu, das Gameplay reiht sich da nahtlos ein, wenn es dabei allerdings auch zunächst wenig zu meckern gibt. Wer die Nahkämpfe aus Batman: Arkham AsylhumWeitere Infos kennt, der wird sich schnell Zuhause fühlen. Ein paar Tritte hier, ein paar Schläge da und schon liegt der Soldat oder irgendein anderer Gegner auf dem Rücken. Dazu gesellt sich noch der Schild, den unser Captain entweder als Wurfgeschoss oder zum Schutz und Blocken verwenden kann sowie ein paar Spezialangriffe, von denen es insgesamt neun gibt und die im Laufe des Spiels freigeschaltet werden müssen. Die Kämpfe sind letztlich auch das Highlight des Titels, wobei hier längst nicht alles so glänzend ist, wie der Schild aussieht, weil die Kamera, die Kollisionsabfrage und die Steuerung gern mal dem Superhelden in die Quere kommen und vieles letztlich dem Zufall überlassen ist.

Mit Genen und Robotern ist nicht zu spaßen

Da Red Skull bekanntlich die Weltherrschaft will und wir nicht wollen, dass er sie bekommt, prügeln wir uns durch eine Reihe von Feinden, die sich im Bereich normale Soldaten, Mutationen und Roboter bewegen. Irgendwann treffen wir mal auf Bossgegner, die sich zwar als hartnäckig erweisen, doch den Kämpfen fehlt es an Originalität und auch taktischen Momenten, bei den eingestreuten Quicktime-Events macht mitunter die hakelige Steuerung schlapp. Das gilt auch für die Klettereinlagen, bei denen man mit dem geeigneten Timing seine Power-Anzeige aufleveln kann, um dann die Spezialbewegungen auszuführen, aber nicht jede Wand kann erklommen werden.
Zwischen den Kämpfen eilt der Captain durch die Hallen und Hintergründe, um Objekte einzusammeln. Warum? Dafür gibt es Punkte und damit werden die Spezialbewegungen freigeschaltet. Zwar gibt es diese Punkte auch beim Besiegen von Gegnern, aber davon kann man mehr einsacken, wenn man Statuen zerstört, Karten findet oder Eier aufklaubt. Naja, was man eben als amerikanischer Nationalheld so tut. Im Grunde genommen ist das Spiel dann auch schnell vorbei und nach Abschluss der Geschichte hat man nur noch ein paar Herausforderungen auf dem Zettel. Danach kann man die Verpackung als Schild benutzen und gegen Red Skull kämpfen.

Ach, guck mal das glänzt ja – oder eben auch nicht

Auf den ersten Blick sieht der Captain gut aus, vor allen Dingen der Schild blinkt und glänzt ganz schick. Auch bei den Kämpfen macht es Spaß, zuzusehen. Vor allen Dingen dann, wenn man in Zeitlupe einen Gegner zerlegt, was zufällig eingestreut wird. Für rund fünf Stunden macht der Solo-Modus im Rahmen seiner Möglichkeiten Spaß, danach ist alles vorbei. Und hier endet dann auch das Positive.
Zwar kann man nach dem Absolvieren der Geschichte weiterspielen, um alle Gegenstände einzusammeln, was letztlich aber nur für den Gamerscore nützlich ist. Dass es keinen richtigen Plan gibt, dass ein Wegfindungssystem im Spiel und damit das Missionsziel vollkommen schwammig ist und man mitunter gar nicht weiß, was gerade passieren soll, ist schon reichlich lästig. Dazu kommen grausame Gesichtsanimationen, schwache Zwischensequenzen und eine sehr wirre Geschichte. Für einen Vollpreistitel, der keinen Wiederspielwert hat, weil man schon alles gesehen hat, steckt einfach zu wenig drin in Captain America.
Screen 1
Wer dem Captain so dumm kommt, der kriegt die eigene Waffe in die Fresse.
Screen 2
Schlauch - im Flugzeug sind wir nur einmal, aber die karge Optik zeigt sich schon.
Screen 3
Die Kämpfe mit dem Captain machen Spaß - immerhin.
Screen 4
Die Gegner sind vielfältig und mitunter auch mächtig.
Screen 5
Dafür sind die Zwischensequenzen eher mau...
Screen 6
...und es ist eben nicht alles toll, was glänzt wie der Schild.

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